Für viele D2C-Brands ist B2B der zweite Wachstumsmotor: Wiederverkäufer, Großabnehmer, irgendwann der Lebensmitteleinzelhandel. Aber B2B hat eigene Spielregeln: individuelle Preise, Zahlungsziele, Rahmenaufträge, und beim LEH kommt EDI dazu. Hier ist der Überblick, wie du das in Xentral abbildest, mit den ehrlichen Grenzen.
Preise steuern: Kundenpreise, Staffeln, Gruppen
Die Preislogik in Xentral hat drei Ebenen. Kundenspezifische Preise und Staffelpreise hängen am Artikel: über das Feld "ab Menge" definierst du zum Beispiel 10 Euro bis 49 Stück und 9 Euro ab 50. Was ein Kunde bekommt, siehst du gesammelt in seinen Stammdaten im Tab Preisliste.
Für ganze Kundengruppen gibt es das Modul Gruppen mit zwei Typen: "Gruppe" als Filter für gruppenspezifische Verkaufspreise und "Preisgruppe" mit Grundrabatt in Prozent, Zahlungsziel, Skonto und Portofrei-Regel. Damit bildest du deine Händlerstaffel (Bronze, Silber, Gold) sauber ab. Achtung bei der Reihenfolge: Individuelle Zahlungskonditionen in der Kundenadresse überschreiben die Preisgruppe.
Rabatte: die Prioritätslogik verstehen
Die App Erweiterte Rabatte ergänzt Prozent- oder Preisrabatte je Kombination aus Kunde, Gruppe oder Alle und Produkt, Kategorie oder Alle, optional ab Menge. Der wichtigste Satz aus der Doku: Rabatte sind nicht kombinierbar, es greift der erste Treffer nach fester Prioritätsreihenfolge. Wer Kundenrabatt plus Aktionsrabatt stapeln will, muss das vorher durchdenken, sonst wundert sich der Vertrieb über die Marge.
Vom Angebot zum Auftrag: die Belegkette
Der B2B-Prozess läuft über die klassische Belegkette: Anfrage oder Preisanfrage, Angebot, Auftrag, daraus Lieferschein, Rechnung und bei Bedarf Gutschrift, alles mit PDF-Archiv am Auftrag. Jahresrahmenaufträge funktionieren über einen großen Auftrag, aus dem du Teilaufträge absplittest, zum Beispiel 1.000 Einheiten mit Abrufen pro Quartal.
- Zahlungsziele und Skonto: je Kunde, je Preisgruppe oder je Zahlungsweise (Rechnung, Lastschrift)
- Sammelrechnung: mehrere Lieferungen eines Kunden in einer Rechnung, auch auftragsübergreifend
- Mahnwesen: eskaliert automatisch in fünf Stufen, siehe Xentral Automatisierung
B2B-Shop: was Xentral mitbringt und was nicht
Klartext: Xentral hat keinen eigenen B2B-Webshop. Es ist das ERP-Backend hinter deinem Shopsystem. B2B und B2C trennst du über Projekte als eigene Kanäle. Für den Shop selbst gibt es zwei gängige Wege: Shopify-B2B-Kataloge, die der Connector über den Workflow "Erweiterte Preise" mit deinen Xentral-Preisen versorgt, oder ein B2B-Kundenportal von Partnern, das über die Xentral-API angebunden wird.
Meine Einschätzung: Für die meisten Brands ist der Shopify-Weg der pragmatischste, weil Shop-Logik und Checkout schon da sind. Ein eigenes Portal lohnt sich erst bei komplexen Sortimenten oder Bestellprozessen, die ein Standard-Shop nicht hergibt.
EDI für den Handel: REWE, EDEKA und Co.
Wenn der LEH anklopft, kommt EDI: elektronische Bestellungen (ORDERS), Lieferavis (DESADV) und Rechnungen (INVOIC) im EANCOM/EDIFACT-Format. Xentral löst das über den integrierten Partner Procuros, so läuft es zum Beispiel bei nucao mit REWE- und EDEKA-Bestellungen. Wichtig zu wissen: Das alte native EDI-Modul (XML per FTP an ein EDI-Gateway) ist Legacy und für neue Xentral-Instanzen nicht mehr verfügbar. Plane EDI also als Integrationsprojekt mit Partner, nicht als Haken in den Einstellungen.
Praxis-Empfehlung
Fang mit der Preisstruktur an, nicht mit dem Shop. Wenn Preisgruppen, Staffeln und Rabatt-Prioritäten sauber definiert sind, ist der Rest Prozessarbeit. Und pflege die Konditionen im System statt in Köpfen und Excel-Listen: Sobald der zweite Vertriebler B2B-Aufträge anlegt, zahlt sich das aus. Wie das Zusammenspiel mit D2C aussieht, liest du in Xentral für E-Commerce-Brands, und die Rechnungsseite deckt Xentral & DATEV ab.