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E-Commerce-Reporting aus Xentral: Kennzahlen richtig definieren

Dennis FühnerDennis Fühner · 17. September 2026
Illustration: E-Commerce-Reporting aus Xentral: Kennzahlen richtig definieren
KI-generiertes Bild

Das Wichtigste in Kürze

  • Definiere Kennzahl, Zeitraum und Datenstand, bevor du ein Dashboard baust.
  • Xentral Reporting bietet Vorlagen sowie Abfragen ohne Code und mit SQL.
  • Die dokumentierte Standardaktualisierung erfolgt nachts; ein Bericht ist deshalb nicht automatisch eine Echtzeitansicht.

Ein Dashboard hilft nur, wenn das Team dieselben Zahlen gleich versteht. „Umsatz heute“ kann Auftragseingang, Rechnungswert oder Zahlungseingang meinen. Diese Größen können voneinander abweichen, ohne dass ein Bericht technisch falsch ist. Beginne dein E-Commerce-Reporting deshalb mit der Entscheidung, die der Bericht unterstützen soll.

Von der Frage zur Kennzahl

Wähle zuerst wenige operative Fragen. Welche offenen Aufträge benötigen Aufmerksamkeit? Welche Artikel fehlen für anstehende Lieferungen? Welche Rechnungen sind noch ungeklärt? Für jede Frage braucht es eine klare Definition und einen Verantwortlichen, der aus dem Ergebnis eine Handlung ableitet.

  • Grundgesamtheit: Welche Vorgänge werden überhaupt gezählt?
  • Zeitbezug: Bestelldatum, Rechnungsdatum oder ein anderes Ereignis?
  • Status: Welche offenen, stornierten oder abgeschlossenen Vorgänge gehören hinein?
  • Einheit: Anzahl, Menge oder Geldbetrag; bei Geld mit welcher Währung und Betragsbasis?
  • Handlung: Was passiert, wenn die Kennzahl auffällig wird?

Schreibe diese Angaben direkt in die fachliche Beschreibung des Berichts. So bleibt seine Bedeutung verständlich, wenn ihn später ein anderer Mitarbeiter nutzt.

Wenn du Berichte mit KI-Unterstützung erstellst, beachte die Grenzen des Xentral Copiloten für Berichte. Eine gemeinsame Grundlage für beide Wege sind saubere ERP-Daten und eindeutige Kennzahlendefinitionen.

Die Möglichkeiten von Xentral Reporting einordnen

Die aktuelle Herstellerdokumentation beschreibt eine Reporting-Plattform auf Basis von AWS Redshift mit Vorlagen sowie einem Builder ohne Code und einer SQL-Ansicht. Diese Werkzeuge helfen beim Erstellen von Auswertungen. Sie entscheiden jedoch nicht automatisch, welche fachliche Definition für dein Unternehmen richtig ist.

Starte mit einer passenden Vorlage und prüfe deren Filter. Ein vertrauter Berichtstitel bedeutet nicht, dass Zeitraum, Status und Berechnungsgrundlage bereits zu eurem Prozess passen. Bei individuellen Abfragen sollten die verwendeten Felder und Verknüpfungen nachvollziehbar dokumentiert werden.

Datenstand sichtbar machen

Xentral dokumentiert standardmäßig eine nächtliche Aktualisierung, die um 0 Uhr UTC beginnt und bis zu fünf Stunden benötigen kann. Eine höhere Aktualisierungsfrequenz hängt von der vereinbarten Leistung ab. Plane deshalb keine sekundengenaue operative Steuerung auf der bloßen Annahme, dass ein Reporting-Dashboard jederzeit den aktuellen ERP-Zustand zeigt.

Zeige dem Team, für welchen Datenstand ein Bericht gilt. Ein Vergleich zwischen einer aktuellen Auftragsliste und einem älteren Reporting-Abzug kann eine scheinbare Differenz erzeugen. Prüfe zuerst den Aktualisierungszeitpunkt, bevor du die Berechnung änderst.

Mit kleinen Kontrollmengen validieren

Wähle einen überschaubaren Zeitraum und vergleiche die enthaltenen Vorgänge einzeln mit der vereinbarten Definition. Eine plausible Gesamtsumme reicht nicht. Fehler können sich gegenseitig ausgleichen oder erst bei bestimmten Statuskombinationen sichtbar werden.

  1. Erwartete Datensätze und Ausschlüsse festhalten.
  2. Filter und Zeitbezug der Abfrage prüfen.
  3. Einzelergebnisse und Summe vergleichen.
  4. Abweichungen erklären und die Definition gegebenenfalls präzisieren.
  5. Den geprüften Bericht mit Beschreibung und Verantwortlichem freigeben.

Besondere Vorsicht gilt, wenn mehrere Datenarten verbunden werden: Eine Rechnung mit mehreren Positionen darf nicht unbeabsichtigt mehrfach als ganzer Rechnungsbetrag gezählt werden. Das ist ein allgemeiner Prüfpunkt für Auswertungen, kein behaupteter Fehler der Xentral-Vorlagen.

Zugriff und laufende Pflege

Die Dokumentation beschreibt Berechtigungen und Freigaben für Reporting. Prüfe, wer Berichte lesen und wer sie bearbeiten soll. Ein operativer Lagerbericht benötigt nicht automatisch dieselben Zugriffe wie eine finanzielle Auswertung.

Beginne mit wenigen Berichten, deren Nutzen im Alltag überprüfbar ist. Halte Änderungen an Definitionen fest, damit Vorperioden richtig eingeordnet werden. Für die Umsetzung eines Reporting-Konzepts bringe zum ERP-Audit drei konkrete Entscheidungsfragen, bestehende Auswertungen und Beispiele für heute unerklärte Abweichungen mit.

Passender Einblick aus einem Kundenprojekt

Ein passender Projektkontext ist Rocka Nutrition: Die veröffentlichte Fallstudie beschreibt individuelle Auswertungen nach Artikel, Handelskette und Region. Sie zeigt den Bedarf an fachlich passenden Berichten; sie ist kein Nachweis, dass die dortigen Auswertungen unverändert als Standardvorlage verfügbar sind.

Beispiel: Welche Aufträge brauchen heute eine Entscheidung?

Ein brauchbarer Bericht beginnt mit einer Handlung. Für ein tägliches Operations-Meeting könnte die Frage illustrativ lauten: „Welche freigegebenen Aufträge warten noch auf den nächsten vereinbarten Bearbeitungsschritt?“ Die genaue Definition dieses Schritts legt ihr anhand eures Prozesses fest. Ein allgemeiner Umsatzbericht beantwortet diese Frage nicht.

Unser Vorschlag für die fachliche Spezifikation: ein Vorgang pro Auftrags-ID, die benötigten Datums- und Statusfelder, der zuständige Bereich und ein erklärter Grund für den offenen Zustand. Entscheide, welche stornierten, zurückgestellten oder anderweitig ausgeschlossenen Vorgänge nicht in die Liste gehören. Lege außerdem fest, was das Team mit jeder Ergebniszeile tun soll. Ohne diese Entscheidung wird eine neue Liste schnell zu einem weiteren unbeachteten Dashboard.

Den Bericht im Builder schrittweise aufbauen

Die Xentral-Dokumentation zum Berichtswesen beschreibt für den No-Code-Editor eine feste Abfolge: Datensatz wählen, benötigte weitere Datensätze verbinden, filtern, zusammenfassen, sortieren und die Vorschau prüfen. Für Auftragseingänge nennt sie Aufträge als Ausgangspunkt; für Nettoumsatz oder Rohertrag Rechnungen. Die Wahl hängt von der fachlichen Frage ab.

  1. Wähle zuerst den Datensatz, dessen einzelne Zeile deiner gewünschten Betrachtung entspricht.
  2. Nimm Identifikatoren und Kontrollfelder auf, bevor du nur Summen anzeigen lässt.
  3. Verbinde weitere Daten nur, wenn sie für die Fragestellung benötigt werden.
  4. Setze die vereinbarten Status-, Datums- und Bereichsfilter. Im beschriebenen Builder müssen Filterfelder zuvor ausgewählt sein.
  5. Prüfe zunächst die Einzelzeilen in der Vorschau; ergänze erst danach Summen oder Gruppierungen.
  6. Speichere Bericht und fachliche Beschreibung gemeinsam und teste die vorgesehene Freigabe.

Warum eine Verknüpfung plötzlich die Summe verdoppeln kann

Angenommen, eine illustrative Rechnung über 100 Euro hat zwei Positionen. Verbindest du den Rechnungskopf mit den Positionen, kann der Kopf zweimal in der Ergebnismenge erscheinen. Summierst du anschließend unbesehen den Rechnungsbetrag, erhältst du 200 Euro. Der Rechenbefehl funktioniert dabei technisch korrekt; die betrachtete Zeile hat sich verändert.

Prüfe deshalb nach jeder Verbindung die Anzahl der Zeilen und die Anzahl eindeutiger Vorgangs-IDs. Entscheide, ob du auf Beleg- oder Positionsebene rechnest und welche Betragsfelder dazu gehören. Einfach doppelte Ergebniszeilen zu entfernen ist keine allgemeine Lösung, weil zwei fachlich unterschiedliche Positionen ähnliche Werte haben können.

Auch die Verknüpfungsart verändert den Inhalt: Ein LEFT JOIN erhält grundsätzlich die Zeilen des Ausgangsdatensatzes, auch ohne passenden Treffer; ein INNER JOIN lässt nur passende Verbindungen übrig. Die Herstellerhilfe erklärt beide Varianten. Für eine Liste fehlender Zuordnungen wäre es beispielsweise kontraproduktiv, gerade die Vorgänge ohne Treffer unbeabsichtigt auszuschließen.

Drei Kontrollfälle vor der Freigabe

  • Ein eindeutiger Standardfall: Ein Vorgang erfüllt alle Kriterien und muss genau einmal auf der vereinbarten Ebene erscheinen.
  • Ein bewusster Ausschluss: Ein stornierter oder außerhalb des Zeitraums liegender Vorgang darf nach eurer Definition nicht eingehen.
  • Ein Randfall: Mehrere Positionen, fehlende Zusatzdaten oder eine zeitversetzte Änderung müssen das vorher festgelegte Ergebnis liefern.

Notiere Erwartung und tatsächliches Ergebnis je Fall. Gleiche außerdem den Datenstand ab: Eine neu angelegte ERP-Buchung kann in einem noch nicht aktualisierten Reporting-Datenbestand fehlen. Wiederholte Änderungen an Filtern lösen diesen Zeitversatz nicht. Die dokumentierte Aktualisierung und ihre vertraglichen Varianten findest du ebenfalls in der Reporting-Anleitung.

Freigabe und Export gehören zum Bericht

Xentral beschreibt Freigabeprofile für Sammlungen und einzelne Berichte sowie die Zuordnung zu Nutzern. Teste die Ansicht mit der vorgesehenen Rolle. Ein Administrator sieht möglicherweise mehr als der spätere Leser. Für externe Weiterverarbeitung nennt die Dokumentation unter anderem CSV-Downloads und Permalinks. Ein dauerhaft verwendbarer Exportlink gehört kontrolliert in die Zielanwendung; behandle ihn entsprechend dem Inhalt des Berichts und veröffentliche ihn nicht als allgemeinen Hilfelink.

Wenn du den Copiloten für Berichte verwendest, gelten dieselben Abnahmekriterien. Eine verständlich formulierte Anfrage und eine erfolgreich ausgeführte Abfrage ersetzen weder die Einzelprüfung noch die Freigabe der enthaltenen Daten.

Quellen und fachlicher Stand

Herstellerdokumentation geprüft am 17. September 2026. Die Empfehlungen zur Projektorganisation sind redaktionelle Empfehlungen von CommerceOS.

Dennis Fühner
Dennis Fühner
Geschäftsführer & Gründer bei CommerceOS

Dennis ist Gründer von CommerceOS (founderlab GmbH) und Xentral Gold Partner. Mit seinem Team hat er über 200 ERP-Projekte für E-Commerce-Brands und Händler umgesetzt.

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Häufige Fragen

Sind Xentral-Reports immer in Echtzeit?

Nein. Die dokumentierte Standardaktualisierung erfolgt nachts. Prüfe Datenstand und vertraglich vereinbarte Aktualisierung.

Brauche ich für jeden Bericht SQL?

Xentral beschreibt sowohl einen Builder ohne Code als auch SQL und Vorlagen. Welche Möglichkeit passt, hängt von der konkreten Auswertung ab.

Wie prüfe ich einen neuen Bericht?

Vergleiche eine kleine bekannte Datenmenge einschließlich bewusst ausgeschlossener Vorgänge mit der fachlichen Definition und dem Datenstand.

Warum weichen Dashboard und aktuelle Auftragsliste voneinander ab?

Prüfe zuerst Datenstand, Zeitbezug, Statusfilter und Berechnungsgrundlage. Unterschiedliche Definitionen können Abweichungen erklären, ohne dass die Abfrage technisch fehlerhaft ist.

Welche Angaben sollte eine Kennzahl dokumentieren?

Grundgesamtheit, Zeitraum, relevante Status, Einheit, Datenstand und die Entscheidung, die mit dem Ergebnis getroffen werden soll.

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