Irgendwann stellt sich jede wachsende Brand die Frage: eigenes Lager oder Fulfillment-Dienstleister? Beides hat seine Berechtigung, aber egal wie du dich entscheidest, dein ERP muss den Prozess tragen. Hier geht es um den zweiten Fall: Wie Xentral mit einem 3PL zusammenarbeitet, was der Standardweg ist und wo die Grenzen liegen.
Vorweg die ehrliche Einordnung: Es gibt keinen App-Store voller fertiger 3PL-Integrationen in Xentral. Der Standardweg ist ein generisches, sehr flexibles Modul. Das ist kein Nachteil, du solltest nur wissen, worauf du dich einlässt.
Wie Xentral Fulfiller anbindet: das Übertragungen-Modul
Das zentrale Werkzeug heißt Übertragungen. Es tauscht Aufträge, Artikel und Bestände mit deinem Fulfiller aus, per FTP, FTPS, SFTP oder E-Mail, in Formaten wie CSV, XML, EDI oder Opentrans. Xentral positioniert sich damit bewusst als Middleware: Laut Anbieter lässt sich darüber jeder Fulfillment-Dienstleister anbinden, und viele 3PLs nutzen Xentral bereits als Drehscheibe.
Das Setup in fünf Schritten
- 1. Prozessstarter aktivieren: api_uebertragungen läuft standardmäßig alle 10 Minuten
- 2. API-Account anlegen für die Kommunikation
- 3. Eigenes Projekt mit Logistikprozess erstellen, damit Fulfiller-Aufträge sauber getrennt laufen
- 4. Virtuelles Lager mit Lagerplatz anlegen für den extern gelagerten Bestand
- 5. Übertragungs-Account konfigurieren: Wege, Formate, Trigger-Status
So läuft ein Auftrag durch
Der Auftrag wird ganz normal in Xentral verarbeitet, bis der Auto-Versand den Lieferschein erzeugt. Ab dem Status "Freigegeben" geht der Lieferschein per Übertragung an den Fulfiller, der pickt, packt und versendet. Zurück kommen zwei Dinge: die Trackingnummer (optional mit automatischer Tracking-Mail an den Kunden und Rechnungserstellung) und die Lagerbestände, die ins virtuelle Lager gebucht werden. Für jeden Anwendungsfall gibt es eine eigene Übertragung.
Fertige Integrationen: die ehrliche Lage
Die Marketplace-Kategorie Fulfillment listet aktuell zwei Einträge: Amazon Prime (Seller Fulfilled Prime) und den angekündigten Xentral Fulfillment Connector powered by Blossom (99 Euro netto pro Monat, Status "Coming Soon", u. a. für Descartes pixi, C-Logistics, Nordfrost und Nagel Group; Stand Juli 2026, bitte aktuell prüfen). Manche Fulfiller wie byrd bringen ihre Xentral-Integration selbst mit. Amazon FBA ist ein Sonderfall: Die Amazon-Schnittstelle erkennt FBA-Aufträge automatisch und überspringt den eigenen Versandprozess.
Mischbetrieb: eigenes Lager plus Fulfiller
Der Mischbetrieb ist abbildbar: getrennte Projekte mit jeweils eigenem Logistikprozess, dazu das virtuelle Fulfiller-Lager neben deinem eigenen. Bei Amazon routet Xentral kombinierte FBA/FBM-Modelle pro Auftrag automatisch richtig. Eine automatische, bestandsbasierte Lagerwahl zwischen eigenem Lager und Fulfiller ist allerdings nicht dokumentiert, die Zuordnung läuft über die Projektlogik.
Grenzen und Stolperfallen
- Kein Echtzeit-Sync: Der Austausch läuft im Cronjob-Intervall, Standard alle 10 Minuten
- Geänderte Artikeldaten werden nie automatisch übertragen, nur neue Artikel optional
- Unbekannte Artikelnummern lassen den Import scheitern, es sei denn, die Option 'Fehlende Artikel anlegen' ist aktiv
- Belegstatus muss exakt stimmen, sonst hängt die Übertragung
- Automatische Rückmeldungen berücksichtigen nur Daten der letzten 14 Tage
- Du brauchst einen FTP-Server, deinen eigenen oder den des Dienstleisters
Meine Einschätzung
Ein 3PL lohnt sich, wenn Lagerfläche, Personal oder Saisonspitzen dein Engpass sind, nicht, um Prozessprobleme auszulagern. Ein chaotischer Bestand wird beim Fulfiller nicht sauberer, du siehst ihn nur später. Deshalb gilt auch hier: erst Stammdaten und Prozesse klären, dann übergeben. Und rechne die Übertragungs-Einrichtung als Projektarbeit mit Abstimmung auf beiden Seiten, nicht als Nachmittags-Konfiguration.
Wenn du noch zwischen eigenem Lager und 3PL schwankst: In Xentral Lagerverwaltung siehst du, was das eigene Lager mit Scanner-Prozessen leistet, und in Xentral Versand, wie der eigene Versandprozess aussieht. Dann kannst du beide Wege fair vergleichen.
Häufige Fragen zu Xentral und Fulfillment
Welche Fulfillment-Dienstleister kann ich an Xentral anbinden?
Grundsätzlich jeden: über das Übertragungen-Modul mit FTP-Drehscheibe, über fertige Integrationen oder direkt über die REST-API. Manche Fulfiller wie byrd bringen ihren Xentral-Konnektor selbst mit.
Kann ich die Anbindung über die API bauen?
Ja. Die REST-API bietet Endpunkte für Aufträge, Lieferscheine, Bestände, Wareneingänge und Tracking (developer.xentral.com). Umgesetzt wird das typischerweise vom IT-Team des Fulfillers oder einem Partner.
Wie kommen die Bestände des Fulfillers nach Xentral?
Über die Übertragung 'Lagerzahlen empfangen' oder per API. Die Bestände werden in ein virtuelles Lager gebucht, das den externen Bestand getrennt vom eigenen abbildet.
Bekommt mein Kunde automatisch eine Tracking-Mail?
Ja, über die Option 'Tracking Mail' in der Übertragung. Optional erstellt Xentral dabei auch gleich die Rechnung und verschickt sie.
Läuft der Austausch in Echtzeit?
Nein, das Übertragungen-Modul läuft im Intervall, Standard alle 10 Minuten. Für Fulfillment-Prozesse reicht das, wer engere Takte braucht, geht über die API.
Geht Amazon FBA über das Übertragungen-Modul?
Nein, FBA läuft direkt über die Amazon-Schnittstelle. Sie erkennt FBA-Aufträge und überspringt den eigenen Versandprozess automatisch.
Kostenloses ERP-Audit
60 Minuten, ehrliche Einschätzung zu deinen Prozessen und deinem Xentral-Setup – ohne Verpflichtung.