Xentral Produktion für Lebensmittel-Brands: Chargen, MHD und Rückverfolgbarkeit
Wenn du Lebensmittel produzierst und verkaufst, ist Rückverfolgbarkeit keine Kür, sondern Pflicht. Spätestens beim ersten Rückruf entscheidet sich, ob du in Minuten sagen kannst, welche Rohstoff-Charge in welchem Kundenauftrag steckt, oder ob dein Team nächtelang Lieferscheine wälzt. Viele unserer Kunden kommen aus genau dieser Ecke: Lebensmittel, Nahrungsergänzung, Drogerie. Hier ist der Praxis-Check, was Xentral in der Produktion kann und wo die Grenzen liegen.
Was das Produktionsmodul kann
Die Produktion läuft in Xentral als eigener Beleg: der Produktionsauftrag. Du legst ihn manuell an, direkt aus einem Kundenauftrag, aus einer Bestellung oder aus dem Erweiterten Bestellvorschlag, der den Bedarf aus offenen Aufträgen oder Mindestmengen ermittelt. Ein klassisches MRP-Modul mit Kapazitäts- und Maschinenplanung ist das nicht, für die typische E-Commerce-Eigenproduktion (Abfüllen, Mischen, Konfektionieren) reicht es aber völlig.
Dazu kommen Produktionszentrum, Arbeitsanweisungen, Funktionsprotokolle, Unterproduktionen per Klick und die Verlängerte Werkbank für externe Produktion beim Lohnfertiger.
Stücklisten: von einfach bis mehrstufig
- Normale Stückliste: das Rezept deines Produkts, wird bei der Produktion verbraucht
- Mehrstufige Stückliste mit Unterstücklisten: für Produkte aus vorproduzierten Komponenten, mit Baumansicht
- Just-in-Time-Stückliste: für Sets und Bundles ohne echte Fertigung, die Komponenten werden erst beim Verkauf gebucht
Xentrals eigene Empfehlung, die ich teile: Für reine Sets (Geschenkbox aus drei bestehenden Produkten) brauchst du keine Produktion, eine JIT-Stückliste reicht. Die Produktion kommt ins Spiel, wenn wirklich etwas Neues entsteht. Eine dokumentierte Einschränkung für feine Rezepturen: Stücklistenmengen erlauben nur vier Nachkommastellen.
Chargen und MHD: die Pflicht für Lebensmittel
Chargenverwaltung und MHD aktivierst du pro Artikel in den Stammdaten. Erfasst wird per Scan oder manuell, im Wareneingang, in der Produktion, im Versandzentrum und in den Mobile Apps. Beim Kommissionieren schlägt die Mobile Picking App die Charge nach FEFO vor, also die Ware mit dem nächsten Ablaufdatum zuerst.
Richtig stark für den Ernstfall ist das Modul Mindesthaltbarkeitswarnung: Es warnt eine einstellbare Zahl an Tagen vor Ablauf, markiert abgelaufene MHDs rot und zeigt im Tab "Kunden", welche Aufträge eine betroffene Charge enthalten. Genau diese Ansicht brauchst du bei einem Rückruf.
Rückverfolgbarkeit: von der Rohstoff-Charge zum Kundenauftrag
Das Chargen-Modul bringt eine Schnellsuche mit, die produzierte Chargen inklusive Lieferscheinnummer, Kundenname, Fertigprodukt-Charge und eingesetzter Material-Charge zeigt. Damit ist die Kette vom Rohstoff bis zum Kundenauftrag dokumentiert abbildbar, in beide Richtungen. Der Tab "Produktion" trennt eingesetzte und produzierte Chargen sauber auf.
Für die Kennzeichnung gibt es Etikettensets mit Chargennummer. Wichtig für den Prozess: Die Charge erscheint erst auf dem Etikett, wenn sie zugeordnet und die Produktion abgeschlossen ist.
Grenzen, die du kennen musst
- 'Produktion auslagern' bucht keine Chargen ab. Chargen müssen im Reiter Chargen gepflegt werden, sonst weicht der Chargenbestand vom Lagerbestand ab
- Kein Teilstart bei fehlendem Material. Die Produktion startet erst, wenn alles da ist. Workaround: Unterbaugruppen bilden
- Ausschuss richtig buchen: Die Funktion 'Menge Ausschuss' zerstört die Rückverfolgbarkeit, nutze stattdessen einen Sperrlagerplatz
- Liefertermine laufen nicht synchron zwischen Auftrag und Produktion, und mehrfaches Weiterführen erzeugt Doppelproduktionen
- Keine Kapazitäts- oder Maschinenbelegungsplanung. Xentral ist kein PPS-System für komplexe Fertigung
Was das kostet und für wen es passt
Die Produktion ist ein Add-on: laut Xentral-Leistungsbeschreibung (Stand 04/2026, netto) 99 Euro pro Monat zusätzlich zum Plan. Gemessen daran, was eine saubere Chargenführung bei der ersten Rückruf-Übung wert ist, ist das keine Diskussion.
Dass das Setup in der Lebensmittel-Praxis funktioniert, zeigen unsere Kunden: Chiemgaukorn produziert und verkauft Bio-Getreideprodukte mit Xentral statt SAP, und Kloster Kitchen skaliert seine Ingwer-Shots durch die Saison. Wenn du wissen willst, wie deine Produktion in Xentral aussehen würde: So läuft eine Implementierung ab.