Das Wichtigste in Kürze
- Beschreibe konkrete Abläufe mit Ausgangsdaten und erwartetem Ergebnis.
- Trenne unverzichtbare Anforderungen von späteren Verbesserungen.
- Jede wichtige Anforderung braucht einen überprüfbaren Abnahmetest.
Ein ERP-Anforderungskatalog soll Entscheidungen ermöglichen. Eine lange Liste mit Begriffen wie „Lager“, „Schnittstellen“ und „Reporting“ reicht dafür nicht: Zwei Anbieter können dieselben Punkte bestätigen und sehr unterschiedliche Abläufe meinen. Beschreibe deshalb, was dein Team heute tut und welches Ergebnis künftig verlässlich entstehen soll. Die folgende Struktur ist eine redaktionelle Planungsempfehlung für ein Einführungsprojekt.
Mit einem vollständigen Geschäftsvorgang beginnen
Nimm einen typischen Auftrag und verfolge ihn vom Verkauf bis zur Buchhaltungsübergabe. Notiere beteiligte Systeme, Personen und Daten. Ergänze anschließend einen relevanten Sonderfall, etwa einen teilweise lieferbaren Auftrag. So wird sichtbar, an welchen Übergängen Informationen verloren gehen oder manuelle Arbeit entsteht.
Ein sinnvoll formulierter Bedarf lautet beispielsweise: „Wenn nur ein Teil der bestellten Menge verfügbar ist, muss das Team die Restmenge eindeutig weiterbearbeiten können.“ Diese Aussage beschreibt ein gewünschtes Ergebnis. Wie es im ausgewählten System umgesetzt wird, bleibt eine gesonderte Lösungsentscheidung.
Nutze die Anforderungen anschließend, um eine ERP-Demo mit eigenen Abläufen vorzubereiten. Nach der Auswahl hilft die Vorbereitung des Xentral-Projekts, aus Anforderungen konkrete Zuständigkeiten und Abnahmeschritte zu machen.
Eine einheitliche Struktur pro Anforderung
Verwende für jeden Eintrag dieselben Felder. Das macht Rückfragen und spätere Änderungen leichter nachvollziehbar:
- Prozess und Verantwortlicher: Wer arbeitet mit dem Ergebnis?
- Auslöser und Eingangsdaten: Wann beginnt der Vorgang, welche Informationen liegen vor?
- Erwartetes Ergebnis: Was muss anschließend fachlich richtig sein?
- Sonderfälle: Welche Abweichungen treten tatsächlich auf?
- Priorität und Begründung: Warum ist der Punkt für den Start nötig?
- Nachweis: Wie wird die Erfüllung geprüft?
Trenne eine gewünschte Funktion von einer bereits festgelegten technischen Lösung. „Bestände korrekt an den Shop melden“ ist eine Anforderung. „Dafür eine eigene Middleware bauen“ ist zunächst ein Lösungsvorschlag, dessen Notwendigkeit erst geprüft werden muss.
Priorisieren, ohne wichtige Ausnahmen zu übersehen
Markiere Anforderungen, ohne die euer Betrieb nicht sinnvoll starten kann. Begründe diese Einstufung anhand eines konkreten Prozesses. Ein seltener Fall kann kritisch sein, wenn er sonst nicht kontrolliert bearbeitbar ist. Umgekehrt muss eine häufig gewünschte Komfortfunktion nicht zwingend zum ersten Start gehören.
Führe außerdem eine Liste späterer Verbesserungen. Sie verhindert, dass jeder neue Wunsch unbemerkt den vereinbarten Umfang erweitert. Änderungen sollten mit Auswirkung auf Aufwand, Termin und Abnahme bewertet werden. Ein kurzer, abgestimmter Startumfang ist hilfreicher als eine scheinbar vollständige Liste ohne Reihenfolge.
Daten und Schnittstellen ausdrücklich aufnehmen
Viele Anforderungen betreffen keine sichtbare Bildschirmfunktion. Prüfe Artikelkennungen, Varianten, Mengeneinheiten, Kunden- und Lieferantendaten sowie die Zuständigkeit für ihre Pflege. Für jede Schnittstelle gehören Übertragungsrichtung, Häufigkeit, Fehlerbearbeitung und notwendige Rückmeldungen in den Katalog.
Beschreibe auch, welche bestehenden Informationen migriert werden sollen. „Alle Daten übernehmen“ lässt offen, ob historische Belege, offene Vorgänge oder nur aktive Stammdaten gemeint sind. Ein klarer Umfang ermöglicht eine belastbare Aufwandsschätzung und einen gezielten Migrationstest.
Aus Anforderungen Abnahmetests machen
Formuliere vor der Umsetzung, wie ein Punkt nachgewiesen wird. Verwende einen repräsentativen Testdatensatz und ein erwartetes Ergebnis. Bei einer Shopanbindung kann der Test von der Bestellung über die ERP-Bearbeitung bis zur Rückmeldung reichen. Ein grüner Verbindungsstatus allein erfüllt diese Anforderung nicht.
Halte Ergebnis, offene Einschränkungen und verantwortliche Freigabe zusammen. Der Katalog bleibt so während Auswahl, Umsetzung und Go-live-Abnahme nutzbar. Für einen gemeinsamen Anforderungsworkshop helfen eine Systemübersicht, typische Vorgänge und die drei größten Probleme eures heutigen Ablaufs.
Passender Einblick aus einem Kundenprojekt
Bei Kloster Kitchen begann die Zusammenarbeit laut veröffentlichter Fallstudie mit einer bereichsweisen Prozessaufnahme. Dieser Projektansatz verdeutlicht, warum Anforderungen aus den Abläufen des Unternehmens entstehen sollten.
Einordnung und Stand
Redaktioneller Praxisleitfaden von CommerceOS, Stand 17. September 2026. Die beschriebenen Prüfschritte sind Planungsempfehlungen und keine Zusage bestimmter Produktfunktionen oder Projektergebnisse.
Häufige Fragen
Wie umfangreich muss ein Anforderungskatalog sein?
So umfangreich, dass kritische Abläufe und ihre Abnahme eindeutig sind. Eine feste Seitenzahl ist kein sinnvolles Qualitätsmaß.
Sollte die technische Lösung schon feststehen?
Nur wenn sie tatsächlich eine verbindliche Rahmenbedingung ist. Ansonsten Bedarf und Lösungsvorschlag getrennt dokumentieren.
Wer sollte mitarbeiten?
Die Verantwortlichen der betroffenen Prozesse sowie diejenigen, die Daten, Schnittstellen und spätere Abnahme beurteilen können.
Gehören seltene Sonderfälle in den Katalog?
Ja, wenn sie für einen kontrollierten Betrieb entscheidend sind. Die Priorität richtet sich auch nach der Auswirkung, nicht allein nach der Häufigkeit.
Wie gehen wir mit neuen Wünschen während der Umsetzung um?
Dokumentiert sie als Änderung mit Auswirkung auf Umfang, Aufwand, Termin und Abnahme. Übernehmt sie erst nach einer bewussten Entscheidung in den vereinbarten Startumfang.
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